Unsere Bewusstseinszustände

Hallo Unterbewusstsein, schön Dich kennenzulernen

Um zu verstehen, was Hypnose überhaupt ist und wie sie funktioniert, muss man zuallererst verstehen, wie unser Geist funktioniert. So einfach, wie René Descartes uns dies mit dem Satz «Cogito ergo sum» («Ich denke, also bin ich») zum Grundsatz gegeben hat, ist es nämlich nicht.

Wir wissen, dass unser Sein, unsere Identität sich in drei Bewusstseinszustände aufteilt. Dem Bewusstsein, Unterbewusstsein und Unbewusstsein. Sie gehören alle zusammen und sind doch völlig unterschiedlich. Alle drei Bewusstseinszustände haben ihre eigenen Aufgaben und Eigenschaften. Das ist wichtig und doch bereitet uns genau das auch immer wieder Probleme. Bevor ich jedoch darauf eingehe, wie denn diese Probleme zustande kommen, möchte ich euch die einzelnen Zustände genauer erklären.

Zuallererst möchte ich kurz auf unser Unbewusstsein eingehen. Denn dieses ist für eine Hypnose nur in den seltensten Fällen relevant. Deswegen möchte ich in diesem Beitrag auch nur am Rande darauf eingehen. Unser Unbewusstsein ist für alle automatischen Körperfunktionen zuständig. Es steuert also unsere Atmung, unseren Herzschlag unser Autoimmunsystem und vieles mehr.

Das Bewusstsein ist unsere Ratio. In ihm verbringen wir die meiste Zeit des Tages. Auch gerade jetzt, während Du diesen Beitrag liest, befindest Du Dich im Bewusstsein. Obwohl wir in diesem Zustand die meiste Zeit verbringen, macht es nur etwa 10% von unserem Selbst aus.
Das Bewusstsein hat lediglich 4 Aufgaben und Eigenschaften. Die erste ist das Analysieren. Unser Bewusstsein ist zuständig für das Analysieren von Problem und Lösungen dafür zu finden. So trifft es auch hunderte von Entscheidungen pro Tag. Dies ganz ohne, dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Aber alles was wir den ganzen Tag machen, hängt immer mit einer Entscheidung zusammen. Schon morgens, wenn der Wecker klingelt, fällt unser Bewusstsein die Entscheidung ihn abzustellen. Wenn wir das Haus verlassen, entscheiden wir die Tür zu verschliessen. Du wirst jetzt sagen: «Das sind keine Entscheidungen, das sind Automatismen.» Du hast nicht ganz unrecht damit! Für unser Ich sind das Automatismen, wir müssen nicht bewusst darüber nachdenken, aber trotzdem muss unser Bewusstsein die Entscheidung etwas zu tun jedes Mal aufs Neue treffen. Nur sind wir uns dessen nicht immer bewusst
Wie eingangs bereits erwähnt befindet sich in ihm unser rationales Denken. Das Bewusstsein muss für alles eine Erklärung, einen Grund haben. Ob diese Erklärung schliesslich richtig ist, spielt dem Bewusstsein keine Rolle. Die Hauptsache ist, dass es nicht einfach so ist. Genau diese Eigenschaft führt immer wieder zu Problemen. Denn meistens sind die Gründe, die sich unsere Ratio für uns zurechtlegt, nicht die wahren Ursachen, sondern einfach rational besser zu erklären. Zum Verständnis ein einfaches Beispiel: Die meisten Raucher werden behaupten sie rauchen, weil sie eine Zigarette beruhigt. Doch was war bevor sie begonnen haben zu Rauchen? Die Wahrheit ist, dass die meisten Raucher damit begonnen haben aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus. Fühlt man sich einer Gruppe von Menschen nicht zugehörig, fehlt dem Menschen das Sicherheitsgefühl der «Herde». Denn der Mensch ist ein soziales Wesen und möchte dazugehören. Rauchen nun einige Personen in der Gruppe, wird in unserem Unterbewusstsein automatisch angenommen, dass Raucher dazugehören. So entscheidet man sich das nächste Mal, wenn einem eine Zigarette angeboten wird diese anzunehmen. Dies führ wiederum zu einem Zugehörigkeitsgefühl, was unser Grundbedürfnis nach Sicherheit befriedigt. So raucht der Raucher in aller Regel nicht mit dem Rauchen begonnen, weil es ihn beruhigt, sondern um eines seiner Grundbedürfnisse zu befriedigen. Da die Kommunikation zwischen den einzelnen Bewusstseinszuständen jedoch nicht gut funktioniert, denkt unsere Ratio wir rauchen, weil es uns beruhigt. Da wir uns diesen Wirkmechanismus angeeignet haben. Weil wir die Argumentationskette des Bewusstseins jedoch besser verstehen und einfacher greifen können, schenken wir ihr Glauben. Um wieder mit dem Rauchen aufzuhören, müssen wir also keine alternative Methode zur Beruhigung finden, sondern uns im Klaren sein, dass wir mit dem Rauchen unser Sicherheitsbedürfnis befriedigen und für dieses eine Alternative entwickeln.
In unserem Bewusstsein ist zudem unsere Willenskraft beheimatet. Wenn wir uns dieses Wort genauer betrachtet erkennen wir bereits was es damit auf sich hat. Zum einen steckt in ihm das Wort «Wille» und das Wort «Kraft». Wir wissen alle, dass Kraft etwas Endliches ist. Wir alle verfügen über eine begrenzte Menge an Kraft und ist unser «Vorrat» erschöpft müssen wir ihn zuerst wieder auffüllen, bevor wir ihn wieder nutzen können. Genau in diesem Punkt liegt auch unser Problem mit unserem Willen. Wir können etwas noch so sehr wollen, wenn wir es mit reiner Willenskraft angehen, wird dies auch nur so lange gut gehen, wie wir genug Kraft dazu haben es aufrechtzuerhalten.
Zu guter Letzt ist in unserem Bewusstsein unser Kurzzeitgedächtnis verankert. In ihm speichern wir alles, was wir für unser tägliches Leben brauchen. Wir speichern darin Namen, Telefonnummern, Wege und vieles mehr ab.

Eine Stufe unter dem Bewusstsein befindet sich das Unterbewusstsein. Hier liegt unser wahres Ich. Hier befindet sich das was uns ausmacht, was uns zu dem macht, was wir sind. Auch das Unterbewusstsein verfügt über verschiedene Aufgaben und Eigenschaften. Diese könnten jedoch denen des Bewusstseins nicht fremder sein.
Im Unterbewusstsein sind unsere Gewohnheiten zu Hause. Es gibt drei Arten von Gewohnheiten. Es gibt positive Gewohnheiten, diese wirken sich für uns objektiv betrachtet gut aus. Es gibt negative Gewohnheiten, diese wirken sich im Umkehrschluss negativ auf uns aus. Die meisten unserer Gewohnheiten sind aber einfach «nur» nützlich. Wir haben sie uns angeeignet, weil sie einen Nutzen für uns haben. Wir haben uns Verhaltensmuster angelegt, die uns helfen unseren Alltag zu bestreiten und da es Gewohnheiten sind führen wir sie aus, ohne dass wir weiter bewusst darüber nachdenken müssen.
In unserem Unterbewusstsein befindet sich zudem unser Langzeitgedächtnis. Anders als Du vielleicht denkst funktioniert unser Gedächtnis wie eine Videokamera. Seit dem Tag unserer Geburt wird alles aufgezeichnet und gespeichert. Dies funktioniert, aber nicht nur mit Bild und Ton, sondern auch mit allen anderen Sinnen. Unser Unterbewusstsein verfügt also über eine riesige Gedächtnisdatenbank. Wir vergessen nichts, wir können nur nicht auf alles bewusst zugreifen. Wenn wir jedoch genauer darüber nachdenken, sind wir uns dessen auch schon lange bewusst. Wer kennt es nicht: Man läuft die Strasse entlang und es steigt einem einen Duft in die Nase. Sofort befindet man sich in einer längst vergessen geglaubten Erinnerung. Beispielsweise bei Grossmutter in der Küche und isst sein Lieblingsessen. Durch den Geruch wurde eine Erinnerung, auf die wir ansonsten nicht hätten zugreifen können, hervorgerufen.
Im Unterbewusstsein sind zudem unsere Emotionen beheimatet. Emotionen sind etwas äusserst Wertvolles und Schönes. Sie haben aber auch ihre negativen Seiten. Denn unser Bewusstsein kann mit Emotionen absolut nichts anfangen, denn es gehört nicht zu seinen Aufgaben. Da das Unterbewusstsein jedoch viel mächtiger als unser Bewusstsein ist, übernimmt unser Unterbewusstsein von Zeit zu Zeit die Kontrolle. Da unser Unterbewusstsein aber irrational handelt, kann uns das ein Problem verschaffen. Jede*r hat es doch schon einmal erlebt. Wir reagieren in einer Situation völlig emotional. Wenn die Situation, dann vorüber ist fragen wir uns warum wir so reagiert haben und denken uns es wäre doch auch mit weniger Emotionen gegangen. Doch unser Unterbewusstsein lacht und sagt: «Ja, wäre es. Aber es hat richtig gutgetan!»
Unser Unterbewusstsein hat noch eine weitere Aufgabe, vielleicht sogar die wichtigste Aufgabe. Es verfügt über den Selbstschutz. Unser Unterbewusstsein hat die grosse Aufgabe uns vor allen Gefahren zu schützen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei der Gefahr um eine reelle oder eine eingebildete Gefahr handelt. Deswegen haben auch Phobiker solche Panik vor ihrem Angstobjekt, obwohl dieses vielleicht rational betrachtet, gar keine Gefahr aussendet. Das Unterbewusstsein macht da keinen Unterschied. Auf unser Unterbewusstsein können wir uns diesbezüglich aber auch immer verlassen. Wird etwas als gefährlich angesehen, wird unser Unterbewusstsein alles dafür tun uns davor zu schützen.
Zu guter Letzt verfügt unser Unterbewusstsein noch über eine sehr negative Eigenschaft. Es ist zwar extrem stark, aber auch genauso faul und träge.
Wir müssen verstehen, dass unser Unterbewusstsein wie ein Computer funktioniert. Seit dem Tag unsere Geburt wird die Festplatte unseres Unterbewusstseins programmiert. Durch Erfahrungen, die wir machen lernen wir. All diese Erfahrungen führt zu einzelnen Programmen, die auf dieser Festplatte installiert werden. Unser Unterbewusstsein hat viel Zeit und Arbeit in diese Programmierungen gesteckt und hütet diese deswegen wie einen Schatz. Neue Programme, die die Inhalte vorhergehender Programme bestätigen, werden sofort akzeptiert. Programme, die der Vorprogrammierung widersprechen sind sehr schwer auf der Festplatte zu installieren, da dies sehr viel Arbeit für das Unterbewusstsein bedeutet. Es muss alle alten Programmierungen löschen und die neuen installieren. Deswegen sind auch Veränderungen so schwer herbeizuführen. Doch genau hier und mit diesem ganzen Wissen setzt die Hypnosetherapie an.

Nun weisst Du alles was du über unsere Bewusstseinszustände wissen musst. Mit diesem Wissen als Grundlage kannst Du auch verstehen, wie und warum Hypnose so effektiv und wirksam ist. Ich freue mich jetzt schon mit Dir deine gewünschten Veränderungen in Hypnose zu bewirken!

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